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Was befürchten wir?

Für das Mineralwasser:

Mit dem Wegfall des Schutzstatus „Sondergebiet Brunnenbetrieb“ verliert das gesamte Areal seinen bisherigen besonderen Schutz. Gleichzeitig soll dort künftig nahezu jede Form von Gewerbe zugelassen werden. Damit wird ein erhebliches Risiko für die empfindlichen mineralwasserführenden Schichten im Untergrund in Kauf genommen.
 

Im schlimmsten Fall droht eine dauerhafte Verunreinigung des Mineralwassers der Jebenhäuser Schlossquelle – mit Folgen, die kaum rückgängig zu machen wären.
 

Besonders alarmierend ist in diesem Zusammenhang die Aussage des Amtsleiters des Umweltamt des Landkreises Göppingen. Demnach müssten die stillgelegten Brunnen nicht fachgerecht verschlossen werden, ein einfacher Deckel sei ausreichend. Eine solche
Einschätzung wirft erhebliche fachliche Fragen auf.


Denn was geschieht mit den bestehenden Brunnenschächten, wenn sich künftig Industrie und Gewerbe unmittelbar darüber und darum herum ansiedeln? Welche Risiken entstehen dadurch für das darunter verlaufende Mineralwasser?
 

Ehemalige Mitarbeiter von Aqua Römer weisen darauf hin, dass stillgelegte Brunnen dauerhaft und fachgerecht gesichert werden müssen, damit Verunreinigungen ausgeschlossen werden können. Ein bloßer Deckel bietet diesen Schutz offensichtlich nicht.
 

Umso unverständlicher ist es, dass hier offenbar mit einem einzigartigen und sensiblen Naturgut umgegangen werden soll, als gäbe es keinerlei Risiko.

Brunnen.png

(Quelle: "Das Jebenhäuser Mineralwasser" von )

Stillgelegte Marienquelle die mit einem Betondeckel

provisorisch verschlossen ist. (2026)

Für den Verkehr:

Besonders widersprüchlich erscheint dabei die Grundlage der bisherigen Lärmbewertungen:
Die Zahlen für den Lärmaktionsplan (Lärmaktionsplan GRDS 250/2023) wurden zwischen dem 7.10.2021 und dem 15.12.2022 ermittelt – also zu einem Zeitpunkt, als der Brunnenbetrieb in Jebenhausen bereits seit Oktober 2019 eingestellt war und die Verkehrsanalysen mitten in der Coronapandemie stattfanden.


Gerade in dieser Zeit war das Verkehrsaufkommen durch Homeoffice, Einschränkungen und deutlich weniger Pendel- und Lieferverkehr außergewöhnlich niedrig. Trotzdem wurden bereits damals die Lärmgrenzwerte in der Boller Straße überschritten.


Heute ist die Pandemie längst vorbei, der Verkehr hat wieder das frühere Niveau erreicht – und dennoch soll am Ortsrand von Jebenhausen zusätzlich ein neues Gewerbe- und Wohngebiet entstehen, das unweigerlich weiteren Verkehr erzeugen wird.


Für uns stellt sich deshalb die Frage, wie unter diesen Voraussetzungen eine weitere Verkehrsbelastung überhaupt verantwortbar sein soll.
 

Es überzeugt daher wenig, wenn Vertreter der Firma Schwarz argumentieren, der zukünftige Lkw-Verkehr werde niedriger sein als zu Zeiten des Mineralwasserbetriebs. Denn die entscheidende Tatsache wird dabei ausgeblendet: Die Lärmgrenzwerte wurden sogar noch
überschritten, nachdem der Brunnenbetrieb bereits eingestellt war und das Verkehrsaufkommen während der Coronapandemie außergewöhnlich niedrig lag.

 

Wer unter diesen Bedingungen behauptet, zusätzliche Gewerbe- und Lieferverkehre seien unproblematisch, ignoriert die tatsächliche Belastungssituation vor Ort.

 

Die Realität ist: Die Verkehrs- und Lärmsituation ist bereits heute angespannt – jedes weitere Verkehrsaufkommen verschärft ein bestehendes Problem.

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Für die Landwirtschaft:
Als optionale Erweiterung des geplanten Gewerbegebietes sollen zusätzliche landwirtschaftlich genutzte Flächen zum Gewerbegebiet umgewidmet werden. Dadurch ginge wertvollster Acker-Lössboden verloren – einer der fruchtbarsten Böden überhaupt und eine Grundlage für die regionale Landwirtschaft. Solche Böden entstehen
über Jahrtausende und sind nach einer Versiegelung praktisch nicht wiederherstellbar.

 

Besonders problematisch ist, dass die Flächen derzeit von einem Bioland-Betrieb bewirtschaftet werden. Damit verschwinden nicht nur landwirtschaftliche Nutzflächen, sondern auch regional erzeugte Lebensmittel, kurze Transportwege und eine nachhaltige
Bewirtschaftungsform, die bewusst auf Bodenfruchtbarkeit und Umweltschutz setzt.

 

Der Verlust betrifft daher weit mehr als nur einzelne Felder: Er schwächt die lokale Landwirtschaft, reduziert die regionale Versorgung und zerstört dauerhaft gewachsene Kulturlandschaft.
 

Für das Hochwasser:
Hinzu kommt, dass versiegelte Flächen Wasser nicht mehr speichern können. Gerade in Zeiten von Starkregen, Trockenperioden und zunehmender Klimaerwärmung ist die Zerstörung fruchtbarer Böden auch ökologisch ein schwerwiegender Fehler.

 

Die Bilder der letzten Hochwasserkatastrophe sind vielen Bürgern noch eindrücklich in Erinnerung: Der Heimbach trat über die Ufer, Keller liefen voll, Anwohner mussten zusehen, wie Wasser in ihre Häuser eindrang.
 

Gleichzeitig ist längst klar, dass Starkregenereignisse und Hochwasser infolge des Klimawandels künftig häufiger und heftiger auftreten werden.

 

Umso wichtiger sind natürliche Versickerungsflächen, die Wasser aufnehmen, speichern und den Abfluss verlangsamen können.
Genau solche Flächen sollen nun entlang des Heimbachs durch Bebauung und Versiegelung verloren gehen. Damit wird ein natürlicher Schutzmechanismus zerstört, auf den die Menschen in Jebenhausen dringend angewiesen sind.

 

Besonders gravierend: Die Wiese, auf der das geplante Wohngebiet entstehen soll, kann nach aktuellen Berechnungen rund eine Million Liter Wasser aufnehmen und speichern.
Diese natürliche Speicherfunktion lässt sich technisch kaum ersetzen – auch nicht durch aufwendige Hochwasserrückhaltebecken.

Wer heute solche Flächen versiegelt, verschärft bewusst das Hochwasserrisiko für die Anwohner von morgen. Vorsorgeorientierte Planung bedeutet deshalb, natürliche Rückhalteflächen konsequent zu erhalten, statt sie zu bebauen.
Diese Wiese muss Wiese bleiben – nicht nur zum Schutz von Natur und Landschaft, sondern auch zum Schutz der Menschen in Jebenhausen. Gleichzeitig könnten dadurch enorme Kosten für spätere Hochwasserschutzmaßnahmen vermieden werden.

Wiese.png

Wiese für die Wohnbebauung mit Kalenderblick zum Schloss

Für die Landschaft und Naherholung
Mit dem Verlauf des Schwäbischen Alb-Oberschwaben-Wegs

– dem Hauptwanderweg 7 des Schwäbischen Albvereins –

sowie der Voralb-Route als beliebtem Radweg durch das sanft hügelige Vorland der Schwäbischen Alb besitzt der südliche Ortsrand von Jebenhausen eine besondere Bedeutung als Naherholungsgebiet.

 

Menschen suchen hier Ruhe, Bewegung, Natur und freien Blick in die Landschaft

– einen Gegenpol zu Verkehr, Bebauung und Alltagsstress.

 

Gerade diese offene Kulturlandschaft macht den besonderen Charakter des Gebietes aus. Durch die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes mit großflächigen Hallen, Büro- und Parkgebäuden würde dieses Landschaftsbild massiv zerstört. Aus einem wertvollen Erholungsraum droht ein industriell geprägter Ortsrand zu werden.

 

Was verloren geht, ist nicht einfach „freie Fläche“.

Verloren geht ein Stück Lebensqualität, ein wichtiger Natur- und Erholungsraum und eine Landschaft, die Menschen seit Jahrzehnten zum Wandern, Radfahren und Durchatmen nutzen.
Solche natürlichen Rückzugsorte sind für die körperliche und psychische Gesundheit wichtiger denn je.

Wer sie zerstört, nimmt bewusst in Kauf, dass Lebensqualität und
Naherholung für viele Menschen dauerhaft verloren gehen – weit über Jebenhausen hinaus.

Für die soziale Infrastruktur
Für das geplante Wohngebiet sind rund 75 Wohneinheiten mit etwa 160 neuen Einwohnerinnen und Einwohnern vorgesehen – darunter viele Familien mit Kindern.

Dabei ist Jebenhausen bereits in den vergangenen Jahren massiv gewachsen: Neue Wohngebiete und Bauprojekte entstanden unter anderem in der Fasanenstraße, am Hinteren Berg, im Tintenbach, am Kinderhaus Wieseneck sowie aktuell mit weiteren Reihenhäusern
hinter dem EDEKA-Markt. Trotzdem soll nun am Ortsrand – direkt angrenzend an ein Gewerbegebiet – eine weitere großflächige Wohnbebauung entstehen.


Offensichtlich wurde dabei jedoch nicht ausreichend berücksichtigt, dass die bestehende Infrastruktur in Jebenhausen schon heute an ihre Grenzen stößt. Kindergärten arbeiten bereits am Limit, Arztpraxen können vielerorts keine neuen Patientinnen und Patienten mehr aufnehmen, und an der Schule fehlen Lehrkräfte, sodass Klassen zusammengelegt werden müssen.

 

Schon jetzt verschlechtert sich dadurch die
Betreuung, Versorgung und Lebensqualität für viele Menschen spürbar.
Wer unter diesen Bedingungen weitere große Wohngebiete plant, schafft nicht automatisch lebenswerten Wohnraum, sondern verschärft bestehende Probleme.

Neue Einwohnerinnen und Einwohner brauchen nicht nur Häuser, sondern auch funktionierende Betreuung, medizinische Versorgung, Bildungsangebote und eine Infrastruktur, die mitwächst.
Geschieht das nicht, fallen die Familien, die Kinder, die älteren Menschen und die bereits hier lebenden Bürgerinnen und Bürgern dem zum Opfer.

 

Es ist daher schwer nachvollziehbar, warum neue Wohngebiete ausgewiesen werden sollen, obwohl zentrale Einrichtungen schon heute überlastet sind. Eine verantwortungsvolle
Stadtentwicklung muss zuerst die vorhandene Infrastruktur stärken, bevor immer neue Bauflächen geschaffen werden.

 

Für das lokale Klima
Durch die geplante Bebauung und Versiegelung von den bisher offenen Äckern und Wiesen am Ortsrand von Jebenhausen gehen wichtige Freiflächen verloren. Das führt zu starken negativen Auswirkungen, weil diese Flächen ihre Funktion für frische Luft, Kühlung und das lokale Klima nicht mehr leisten können.

 

Durch Dachbegrünungen lässt sich der Verlust der natürlichen Freiflächen nicht annähernd ausgleichen. Fachliche Hinweise zeigen zudem, dass die Dächer großer Logistik- und Gewerbehallen statisch häufig nicht für eine umfassende Begrünung ausgelegt sind. In vielen
Fällen wären erhebliche zusätzliche konstruktive Maßnahmen erforderlich, die technisch und wirtschaftlich kaum realistisch umsetzbar sind.


Für die gesetzlich vorgeschriebenen Ausgleichsmaßnahmen
Nach § 15 des Bundesnaturschutzgesetzes (§ 15 BNatSchG) muss der Verursacher eines Eingriffs in Natur und Landschaft – in diesem Fall die Firma Wackler – die entstandenen Schäden durch geeignete Ausgleichsmaßnahmen im selben Naturraum kompensieren.

Dabei sollen die Funktionen des Naturhaushalts wiederhergestellt und das Landschaftsbild landschaftsgerecht neugestaltet werden.

 

Genau hier beginnt allerdings das eigentliche Problem:

Wie soll etwas ersetzt werden, das über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte gewachsen ist?
Selbst im Umweltbericht zum Bebauungsplan „Jebenhausen Süd-West“ der Stadt Göppingen (Seite 63) wird mit Ausgleichsfaktoren von 1,3 bis 1,5 gerechnet. Das bedeutet: Für jeden zerstörten Quadratmeter Naturfläche müsste an anderer Stelle eine noch größere und qualitativ gleichwertige Fläche geschaffen werden.

 

Theoretisch klingt das sauber. Praktisch stellt sich jedoch eine einfache Frage: Wo sollen diese Flächen überhaupt herkommen?


Denn im betroffenen Naturraum existieren kaum freie Flächen, die vergleichbare Eigenschaften besitzen oder überhaupt neu geschaffen werden könnten. Fruchtbare Böden, gewachsene Wiesen, Versickerungsflächen oder funktionierende Landschaftsräume lassen
sich nicht einfach „nachbauen“.

 

Genau deshalb entsteht der Eindruck, dass hier mit rechnerischen Ausgleichsmodellen gearbeitet wird, obwohl jedem Beteiligten klar sein dürfte, dass ein echter Ausgleich in der Realität kaum möglich ist.

Natur verschwindet dauerhaft – ersetzt wird sie auf dem Papier.


Ausgleichsmaßnahme Dachbegrünung:

  • „Für das Gewerbegebiet (GE) (62.451 m²), sowie das Mischgebiet 2 (MI 2) (2.233 m²) wird die Grundflächenzahl (GRZ) 0,6 festgesetzt. Aufgrund der Festsetzungen zur Dachform wird angenommen, dass 80 % der zulässigen Bebauung (GRZ 0,6) als Dachbegrünung hergestellt wird" Quelle: Umweltbericht | Bebauungsplan "Jebenhausen Süd-West", Stadt Göppingen Seite 22

Vor diesem Hintergrund erscheint die Forderung der Stadt einer Dachbegrünung von 80% der Dachfläche als Ausgleichsmaßnahme bewusst irreführend. Sie vermittelt den Eindruck eines ökologischen Ausgleichs, der in dieser Form tatsächlich nicht erreicht werden kann.
Dadurch entsteht eine erhebliche Diskrepanz zwischen Planungsdarstellung und tatsächlicher Umsetzbarkeit. Die Gefahr besteht, dass negative ökologische Auswirkungen dadurch beschönigt oder deutlich geringer dargestellt werden, als sie in der Realität zu erwarten sind.
Dachbegrünungen können nicht als Ausgleichsmaßnahmen für die offenen Böden in diesem Gebiet herangezogen werden.

Wir haben zudem erhebliche Zweifel daran, dass eine Dachbegrünung im angekündigten Umfang von 80 % der gesamten Dachflächen dauerhaft durchgesetzt und später tatsächlich konsequent kontrolliert wird. Erfahrungsgemäß klingen solche Vorgaben in Planungsunterlagen zunächst sehr überzeugend – entscheidend ist jedoch, was davon am Ende tatsächlich umgesetzt wird.
Ebenso fraglich erscheint, ob bei einer Nichterfüllung durch den Eigentümer überhaupt spürbare Konsequenzen oder wirksame Sanktionen folgen würden. Die Sorge liegt nahe, dass aus verbindlich klingenden Umweltauflagen am Ende eher unverbindliche Absichts- erklärungen werden könnten.

 

Fazit:
Es ist aus unserer Sicht verantwortungslos, gegenüber den Menschen in Jebenhausen eine Planung durchzusetzen, die sich in erster Linie an den Interessen eines Investors orientiert – obwohl die Belastungen und Risiken für die Bevölkerung offensichtlich sind.

Wird die Planung umgesetzt, hat das gravierende und irreversible Folgen für Jebenhausen:

 

Der Schutz des einzigartigen Mineralwasservorkommens würde aufgegeben.

Gleichzeitig nehmen Lärm und Abgase durch zusätzlichen PKW- und LKW-Verkehr zu.

 

Wertvollste landwirtschaftliche Flächen für die regionale Versorgung werden dauerhaft zerstört, wichtige Versickerungsflächen unwiederbringlich verloren gehen und dadurch das Hochwasserrisiko deutlich steigen.

 

Kindergärten, Grundschule und Arztpraxen in Jebenhausen sind bereits heute am Limit. Eine zusätzliche Bevölkerung können diese Einrichtungen in ihrer aktuellen Situation nicht mehr versorgen.


Naherholungsräume, die für die Lebensqualität der Bevölkerung unverzichtbar sind, würden massiv beeinträchtigt oder vollständig verdrängt.

 

Zusätzlich verschärft der Verlust von Freiflächen die Aufheizung des Ortsklimas spürbar – mit direkten Folgen für Gesundheit und Lebensqualität.

 

Ist das die Zukunfts-Vision für ein lebenswertes Jebenhausen?

Impressum:
René von Samson-Himmelstjerna

Im Bühl 23
73035 Göppingen

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Kontoinhaber: Bürgerinitiative

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Volksbank Göppingen

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