Wenn der Fortschritt durch Jebenhausen rollt
Der Infomarkt der Firma Wackler am 27. Juni 2026 in der Wasenhalle war vor allem eines: erschlagend informativ. Eine Flut an Zahlen, Schaubildern und Hochglanzargumenten sollte den Eindruck vermitteln, die Ansiedlung des Logistikunternehmens auf dem Sprudelgelände, den Äckern und den Wiesen sei für Jebenhausen nicht nur unproblematisch, sondern sogar ein Gewinn.

Informationsplakat auf dem Info-Markt
Wasenhalle Jebenhausen 27.06.26
Aber den Gewinn wird sich die Firma Wackler in die Tasche stecken, und wir Jebenhäuser bezahlen dafür die Rechnung.
Die Botschaft lautete: Alles sei sorgfältig geplant, die Belastungen seien überschaubar und 180 zusätzliche Lkw-Fahrten pro Tag kaum spürbar.
Kaum spürbar? Vielleicht für die Seelen auf dem Friedhof.
Für die Menschen, die hier leben, schlafen und ihre Kinder zur Schule schicken, sieht die Wirklichkeit anders aus. Bereits heute rollen etwa 650 Lastwagen durch unseren Ort. Weitere 180 Fahrten bedeuten rund 28 Prozent mehr Schwerlastverkehr.
Fast ein Drittel zusätzlich - und das soll niemand bemerken?
Lastwagen verteilen sich nicht gleichmäßig über 24 Stunden. Sie kommen geballt zu Betriebs-, Liefer- und Stoßzeiten. Dann liegen zwischen zwei 40-Tonnern nicht zwei Minuten, sondern womöglich nur wenige Augenblicke. Jeder Lastwagen fährt irgendwann weiter.
Sein Lärm bleibt jedoch im Alltag der Jebenhäuserzurück: das Dröhnen der Motoren, das Rollen schwerer Reifen, das Zischen der Bremsen, das Klappern beim Fahren über Unebenheiten und die Erschütterungen, die bis in Häuser und Körper reichen. Dazu kommen Abgase sowie Reifen- und Bremsabrieb.
Eine einzelne Vorbeifahrt mag kurz sein. Aber aus 830 Vorbeifahrten entsteht eine Dauerbelastung. Wer behauptet, 180 zusätzliche Lkw-Fahrten seien nicht spürbar, verharmlost die Realität.
Deutlicher gesagt: Diese Behauptung ist Bullshit.
Auch eine neue Straße um Jebenhausen herum wird das Problem nicht lösen. Sie verschiebt es lediglich. Der Lärm verstummt nicht, nur weil er einige Hundert Meter weiter entsteht. Landschaft und wertvolle Flächen werden verbraucht, Böden versiegelt und neue Schneisen geschlagen. Belastungen verschwinden nicht dadurch, dass man sie an einen anderen Ort verschiebt.
Besonders beklemmend wird es, wenn wir an unsere Kinder denken. Stellen wir uns einen Zweitklässler vor, der zu Fuß von der Kindertagesstätte Wieseneck in Richtung Schule geht. Der Schulranzen sitzt noch etwas schief. Vielleicht winkt auf der anderen Straßenseite ein Freund. Ein Kind bewegt sich nicht wie ein Verkehrsexperte durch die Welt. Es ist neugierig, spontan und manchmal unaufmerksam. Während dieses Kind am Straßenrand entlanggeht, donnert in nächster Nähe ein 40-Tonner vorbei. Dann der nächste. Und der nächste. Für Eltern ist das ein Albtraum.
Auch die Hoffnung, irgendwann würden alle Lastwagen elektrisch oder mit Wasserstoff fahren, ersetzt keine verantwortungsvolle Verkehrsplanung. Über die Ansiedlung wird heute entschieden - deshalb muss die heutige Realität zählen. Alternative Antriebe können lokale Abgase und einen Teil des Motorenlärms reduzieren. Aber auch ein elektrischer 40-Tonner bleibt ein 40-Tonner.
Wer profitiert nun von diesem vermeintlichen Fortschritt? Ist es die Firma Wackler - oder sind es wir Jebenhäuser, die morgens vom Lärm geweckt werden, unsere Fenster geschlossen halten müssen und unsere Kinder mit wachsender Sorge zur Schule schicken?
Ein Fortschritt, der Lebensqualität zerstört, ist kein Fortschritt. Er ist eine Belastung, die uns als Chance verkauft werden soll.
Wenn wir verhindern wollen, dass noch mehr Schwerlastverkehr durch unseren Ort rollt, gibt es nur eine Lösung:
Keine Logistik in Jebenhausen.
